Erfahrungsbericht: Tokina 100 mm Makro

Schon seit langem habe ich mir vorgenommen, einen kleinen Erfahrungsbericht zum Tokina 100 mm Makro zu schreiben. Irgendwie kam aber immer etwas dazwischen oder ich konnte mich nicht so richtig motivieren. Nachdem ich vergangene Woche dann jedoch das Bild „Squeeze the lime“ aufgenommen hatte, habe ich die Motivation wieder gefunden, doch noch ein paar Worte zu dem Tokina 100 mm zu verlieren.

Wie kam ich zum Tokina 100 mm?

Als ich mir die Nikon D90 kaufte, war meine Absicht, Landschaftsbilder aufzunehmen. Ich war schon seit meinen ersten Fotos von Landschaften begeistert und wollte die Erfahrungen mit meiner Fuji F100fd nun mit einer DSLR vertiefen. Nach kurzer Zeit jedoch kaufte ich mir noch ein lichtstarkes 50 mm dazu, welches ich fortan überwiegend im Einsatz hatte. Das Spiel mit der Schärfentiefe fand ich faszinierend und so erwischte ich mich auch immer mehr beim Durchstöbern von Fotostreams, die genau dieses Spiel widerspiegelten.

Nachdem ich längere Zeit mit dem 50 mm gespielt habe, wollte ich etwas anderes machen. Ich war fasziniert von der Makrofotografie, konnte diese aber mit meinem bisherigen Objektivpark nicht umsetzen, da der Abbildungsmaßstab einfach nicht gepasst hat. Mein Ziel war es, eine kleine Spinne 1:1 auf meinen Sensor gebannt zu bekommen. So machte ich mich also auf die Suche nach einem Makroobjektiv.

Blüte im Stadtpark Donaueschingen

Nach längerem stöbern in Foren und Blogs war mir klar, dass ich mich noch nicht so stark spezialisieren möchte, sondern eher ein Allround-Makro haben wollte. Dabei ist vor allem die Brennweite zwischen 90-105 mm sehr oft genannt worden, weshalb ich mir dann ein paar Kandidaten ausgesucht habe: Tamron 90 mm, Nikon 105 mm, Tokina 100 mm und Sigma 105mm

Im Prinzip kann man mit keinem der Kandidaten etwas falsch machen. Die Abbildungsleistung ist durchweg auf sehr hohem Niveau, was sich natürlich auch im Preis zeigt. Das Nikon war deshalb sofort ausgeschieden, da es deutlich teurer war als die anderen und für mich keine wesentlichen Merkmale besaß, die diesen Aufpreis wert waren.

In den Foren wird sehr häufig das Tamron 90 mm erwähnt, und ich war kurz davor dies zu kaufen, doch dann ist mir das Tokina in die Augen gesprungen. Es gab gerade eine Aktion, bei der ich das Objektiv um 100 € günstiger erhalten konnte und so war meine Entscheidung letztendlich auf das Tokina gefallen.

Ihr seht, mein Entschluss basierte lediglich auf dem Geld, denn schließlich will man nicht mehrere hundert Euro investieren, nur um nachher festzustellen, dass einem die Makrofotografie keinen Spaß macht. Aufrüsten kann man immer und der Preisverfall bei Makros ist sehr gering.

Das Tokina 100 mm im praktischen Einsatz

Ich bin kein großer Freund von Erfahrungsberichten, auf denen Testcharts abfotografiert oder sonstige Vorteile/Nachteile aufgelistet werden, die kaum Auswirkungen auf die Praxis haben. Mir ist es egal, ob das eine Objektiv einen schnelleren Autofokus hat oder ob die Vignettierung höher ist, wie bei dem anderen. Denn bei Makros verwende ich in der Regel keinen Autofokus und die Vignette kann man im Nachhinein noch korrigieren.

Meine ersten Schritte mit dem Tokina 100 mm habe ich dann bei uns im Garten gemacht und ihr glaubt gar nicht, wie viel Spaß das macht. Durch den großen Abbildungsmaßstab schaut man ganz anders hin und entdeckt schöne Feinheiten, die einem sonst nicht aufgefallen wären. Ich war stundenlang im Garten unterwegs und hatte noch lange nicht alles entdeckt!

Makro Fliegende Biene

Das Tokina ist sehr gut verarbeitet und liegt mir sehr angenehm in der Hand. Der Wechsel zwischen Autofokus und manuellem Fokus wird durch das vor- und zurückschieben des Fokusrings bewerkstelligt. Es gibt somit keinen separaten Schalter, was mich anfangs etwas gestört hat, da ich diesen von meinen bisherigen Objektiven gewohnt war. Da ich nun aber überwiegend im manuellen Modus unterwegs bin, stört das nicht weiter.

Der Autofokus des Tokina ist sehr langsam, weshalb ich ihn auch nicht benutze. Bei einem Abbildungsmaßstab von 1:1 arbeitet es sich aber ohne Autofokus viel besser, als mit. Zudem habe ich ohne Autofokus die Möglichkeit, den gesamten Schärfebereich zu durchfahren und mir die Einstellung zu wählen, die ich haben möchte, ohne dass ich das Messfeld entsprechend so einstellen muss.

So gesehen, hätte ich mir auch ein manuelles Makroobjektiv kaufen können, ohne den ganzen Schnickschnack. Im Nachhinein ist man doch meistens schlauer. Aber dennoch bereue ich meine Entscheidung nicht, denn ich habe schon sehr viele Bilder mit dem Tokina gemacht, die ich einfach klasse finde.

Das einzige was mir an dem Tokina nicht sehr gut gefällt ist der manuelle Fokusring. Ich habe lange gebraucht um damit klar zu kommen, denn er ist nicht ganz so geschmeidig, wie bei anderen Objektiven. Als ich ein altes Objektiv von meinem Vater ausprobiert habe, lief der Fokusring sehr leicht und minimalste Bewegungen waren sehr angenehm zu kontrollieren. Beim Tokina bedarf es hier doch viel Übung und ich muss weiterhin noch sehr viel üben, bis ich das manuelle Scharfstellen beherrsche. Gerade wenn es um Makros im Maßstab 1:1 geht, ist es doch sehr anstrengend, die richtige Schärfe einzustellen.

Biene auf der Blume

Fazit

Das Tokina 100 mm ist ein gutes Objektiv, mit ein paar Nachteilen was den Fokusring betrifft. Dennoch würde ich es vermutlich wieder den anderen vorziehen, wenn ich es zu einem günstigeren Preis bekomme. Da die Abbildungsleistung der genannten Objektive nahezu gleich ist, spielt für mich eher der Preis eine Rolle.

Nach knapp drei Monaten kann ich auch sagen, dass die Entscheidung für ein 100 mm Makro sehr gut war. Geringere Brennweiten sind sicherlich nicht schlechter oder besser, allerdings wird hier der Abstand zum Motiv noch geringer, was gerade bei Insekten schwierig werden könnte. Für Fauna und Flora könnte ich mir aber auch ein 60 mm Makro gut vorstellen, wobei das dann schon wieder zu nahe an meinen anderen Brennweiten liegt.

Nun aber genug zu meinem Erfahrungsbericht. Jetzt würde ich gerne von euch wissen, wie euch meine bisherigen Makrobilder gefallen und ob ihr ein paar Tipps für mich habt, um mehr in die Welt der Makros einzutauchen. Des weiteren interessiert es mich, ob ihr auch ein Makroobjektiv besitzt und wenn ja, weshalb ihr euch für dieses entschieden habt?


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