Motivblindheit in der Fotografie

Einsamer Baumstamm

Geht es dir nicht auch oft so? Du machst häufig einen Spaziergang auf der selben Strecke und hast jedes mal die Kamera dabei. Du findest einfach kein Motiv, dass dich anspricht. Du bist einfach nur “blind” und siehst vor lauter Bäumen den Wald nicht?

So ergeht es mir in letzter Zeit leider sehr häufig. Ich laufe einfach durch die Gegend und schaue, ob sich etwas schönes zum Ablichten findet. Doch leider komme ich oft nur mit sehr wenig bis gar keinen Motiven nach Hause. Es liegt nicht daran, dass ich keine Lust hätte Fotos zu machen, sondern dass ich Motive auf mir vertrauten Strecken nicht wirklich wahrnehme.

Bevor ich mit der Fotografie begonnen habe, war es noch viel schlimmer. Zu dieser Zeit bin ich einfach durch die Gegend gelaufen, ohne etwas wahrzunehmen außer gewöhnlichen Dinge, wie z.B. Bäume im Wald. Als ich dann begonnen habe zu fotografieren, sind mir dann immer mehr Kleinigkeiten aufgefallen, die dort bestimmt schon lange waren, aber die ich nie gesehen habe (kleine Pilze an einem Baumstumpf).

Für mich bedeutet Fotografie also, dass ich meine “Blindheit” ablege und versuche mein “Sehen” immer mehr zu schulen und auch auf eigentlich alltägliche Dinge mehr zu achten. Es könnte ja vorkommen, dass diese Dinge sich als super Motiv herausstellen.

Doch was tun, um sein Auge in diesem Bezug zu schulen? Funktioniert das wirklich, dass man die Umwelt durch die Fotografie anders wahrnimmt? Ich selbst habe diese Erfahrung gemacht habe nun ein paar Ideen, wie auch du deine Umwelt anders wahrnehmen kannst. Denn glaube mir eins, sie ist meistens vielfältiger als wir denken.

Viel Fotografieren:

Genau das ist ein sehr wichtiger Punkt. Es kommt nicht darauf an, wie gut du die Technik beherrschst oder über welches Fachwissen du verfügst. Es kommt darauf an, wie du dieses Fachwissen und die Technik einsetzen kannst. Ich kenne viele Personen, die mir alles zu einer Kamera oder einem Objektiv oder einem perfekten Bildaufbau erzählen können. Doch das eigentlich wichtige, was für Bilder sie schießen und welche Mängel es evlt. daran gibt, dass will mir keiner sagen. Klar spielt hier das Ego eine große Rolle, doch auch das technisch noch so  schlechteste Bild, kann ein super Motiv beinhalten.

Ich habe während meinen Klausuren die Erfahrung gemacht, dass das “nicht-fotografieren” mein “Sehen” stark beeinflusst hat. Nachdem ich vier Wochen sehr wenig fotografiert habe und danach wieder auf Tour ging, sind mir viele Motive durch die Lappen gegangen, die ich nun nach und nach wieder entdecke.

Verschiedene Perspektiven:

Wenn ich früher spazieren ging, lief ich durch die Gegend und nahm meist nur Motive in der Ferne oder auf Augehöhe und darüber wahr. Seitdem ich öfters meine Kamera mitnehme, schaue ich auch vermehrt auf den Boden oder auf Dinge, die nahe an mir dran sind. Dadurch entdecke ich viele schöne Dinge und auch Details, die ich noch nie wahrgenommen habe.

Ich versuche auch öfter mich in den Blickwinkel einer anderen Person zu versetzen. Ein Kind nimmt die Welt um sich anders war, wie ich als 2m großer Mensch. Oder ich stehe auf einen Baumstumpf oder eine Bank und schaue wie die Welt dort aussieht. Dadurch kommen oft Motive zum Vorschein, die sonst nicht wahrgenommen werden.

Scheuklappen ablegen:

Wer kennt sie nicht – die Pferde mit Scheuklappen, die eine Kutsche ziehen? Ich selbst bin jahrelang mit diesen Scheuklappen durch die Gegend gelaufen und lerne erst nach und nach, diese abzulegen und meinen Blick zu weiten. Ich möchte schließlich lieber der Kutscher sein, nicht nur weil ich dann die Kutsche nicht mehr ziehen muss, sondern vor allem weil ich meinen Blick dann schweifen lassen kann. Nur so kann ich auch neue Dinge entdecken.

So das waren jetzt einmal meine Gedanken zur Motivblindheit in der Fotografie. Geht es dir manchmal ähnlich? Was machst du um dein “Sehen” zu schulen?

1 Kommentar zu “Motivblindheit in der Fotografie”

  1. Paleica (5 comments):

    24.04.2010 um 19:22


    hallo bernd!
    ich bin gerade etwas in eile und komme deswegen grade nicht dazu, den ganzen text hier zu lesen. wollte mich nur für deinen kommentar bedanken und komme mich bald einmal genauer umsehen!
    liebe grüße,
    paleica