Mit Fotorucksäcken verhält es sich wie mit übertrieben bearbeiteten HDR-Bildern. Entweder man liebt sie, oder man hasst sie. Ich selbst zählte mich lange Zeit zu letzterer Gruppe, wurde aber nun durch einen eigenen Fotorucksack eines besseren belehrt.
Durch den ständigen Aufrüstungszwang eines selbst, kommt man in der DSLR-Fotografie zu immer mehr Zubehör und ich behaupte mal, ich bin noch nicht so schlimm wie manch anderer
Aber dennoch wächst meine Ausrüstung nach und nach immer mehr an und manchmal bin ich einfach an einem Punkt, wo ich mich nicht einschränken möchte, was ich an Equipment mitnehme.
Die Frage lautete also vor ca. 2 Monaten: Welche Eigenschaften muss deine neue Fototasche haben?
- Gesamte Ausrüstung und eventuelle baldige Neuanschaffungen sollten hineinpassen
- Sicherheit der Kameraausrüstung sollte gewährleistet sein und zwar gegen Regen und Diebstahl
- Sie muss genügend Platz für Kleinkram bieten
- Der Tragekomfort sollte auch auf längeren Fototouren nicht auf der Strecke bleiben
- Sie sollte eine Halterung für ein Stativ beinhalten
Nach langem Testbericht lesen und Forendurchstöbern habe ich mich dann doch für einen Fotorucksack entschieden. Ich habe lange mit dieser Entscheidung gerungen, da Fotorucksäcke in meinen Augen eigentlich eher unpraktisch für Fotografen schienen. Gründe:
- Sie befinden sich auf dem Rücken und somit ist die Kamera außer Reichweite
- Sie müssen abgenommen werden um an die Fotoausrüstung zu gelangen
- Die Ausrüstung befindet sich nicht immer im Blickfeld auf dem Rücken, was ein Sicherheitsrisiko darstellen könnte
Dennoch habe ich mich für einen Fotorucksack entschieden. Erstanden habe ich einen Lowepro Flipside 400 AW. Weshalb es gerade dieser wurde, und welche Erfahrungen ich mit dem Rucksack gemacht habe, findest du in diesem Beitrag.
Maße und Innenleben:
Maximale Abmessungen: 25,4 x 30,2 x 46 cm
Diese Maße entsprechen nicht ganz den Fluggepäckstimmungen, wenn die Fronttasche allerdings nicht mit viel Kleinkram gefüllt ist, lässt sich der Rucksack durchaus auch als Fluggepäck nutzen.
Auch im Innenraum macht der 400 AW eine gute Figur. So passt ohne Probleme mein gesamtes Equipment hinein und es wäre sogar noch Platz für mehr!
Besonders praktisch finde ich, dass wenn kein Batteriegriff an der Kamera ist, eine Bodenplatte vorhanden ist, die den leeren Raum dann füllt. Somit versinkt die Kamera nicht in der Tasche. Die Aufteilung innerhalb des Rucksacks ist wie in den meisten Loweprotaschen flexibel gestaltbar. Problem hierbei ist es, sich für die richtige Aufteilung zu entscheiden, mit der man auch längere Zeit glücklich ist und bei einem Objektivwechsel nicht alles umräumen muss.
Sicherheit:
Damit die Ausrüstung im Notfall nicht durchnässt wird, gibt es zusätzlich zu dem robusten Rucksackmaterial noch eine Regenhülle. Diese befindet sich im Boden des Flipside und kann über den gesamten Rucksack gezogen werden.
Einziges Problem hierbei ist, wenn ein Stativ mit dabei ist, kann die Regenhülle nicht auch noch über das Stativ gezogen werden (zumindest nicht über meins). Damit kann ich allerdings leben, da das Stativ nicht empfindlich gegen Wasser ist.
Genial finde ich den Zugang zur Ausrüstung. Bei den meisten Rucksäcken muss dieser erst abgenommen werden, bevor man an die Ausrüstung kommt. Nicht so beim Flipside. Dieser kann ganz einfach mit Hilfe des Beckengurtes nach vorne gezogen werden und ist dann von hinten zugänglich. Somit ist man viel schneller an der Ausrüstung, als bei herkömmlichen Fotorucksäcken, leider aber nicht so schnell wie bei Sling- oder Schultertaschen. Da ich bei einer Tour aber die Kamera meist in der Hand habe, konnte ich mich damit abfinden.
httpv://www.youtube.com/watch?v=DXCAMU2A2ws
Diese Zugangsmöglichkeit ist zudem ein tolles Feature gegen Diebstahl. So ist lediglich die Fronttasche für einen Dieb zugänglich und in dieser sind Kleinigkeiten wie Putztücher, Visitenkarten oder Snacks enthalten. Damit der Dieb an meine Ausrüstung kommt, muss er mir schon den Rucksack vom Rücken reißen.
Platz für Kleinkram:
Der Rucksack bietet ein paar Fächer für Kleinkram an. Im Rückenteil, also dem sehr stark geschützten Bereich, gibt es drei kleine Fächer für Speicherkarten oder meinen Funkfernauslöser. Unterhalb dieser drei Fächer können in einem Reißverschlussfach z.B. ein Geldbeutel, Handy oder andere Wertsachen verstaut werden. Diese sind dort sicher aufgehoben.
Im Frontteil des Rucksackes bietet sich viel Stauraum für sonstigen Kleinkram. Ich habe dort ein paar Zettel, Stifte, meine Visitenkarten, mein Raupi, ein paar Brillenputztücher und im Winter eine Mütze und Handschuhe verstaut. Ebenso können dort für längere Touren ein paar Snacks, z.B. Müsliriegel oder Butterbrot verstaut werden.
An den beiden Seiten befindet sich jeweils eine dehnbare Lasche, in der beispielsweise eine Trinkflasche verstaut werden kann. Oder sogar ein zusätzliches Stativ, wenn es nicht allzu groß ist.
Tragekomfort:
Der Tragekomfort lässt keine Wünsche offen. Das Rückenteil ist gut gepolstert und atmungsaktiv. Die Schulterrahmen sind breit und ebenfalls gut gepolstert. Durch einen extrem breiten und gut gepolsterten Beckengurt, steht einer längeren Tour nichts mehr im Wege.
Durch den breiten Beckengurt ist es auch keine Qual, wenn man den Rucksack nach vorne dreht um an die Ausrüstung zu gelangen. Das Gewicht verteilt sich gut und man spürt das Gewicht nicht so schnell auf einer Tour. Irgendwann merkt man natürlich, dass man mehrere Kilos auf dem Rücken hat, aber der Komfort leidet darunter keineswegs.
Vorteil eines Rucksacks ist es natürlich, dass man kaum bis gar keine Schulterschmerzen bekommt. Bei Sling- oder Schultertaschen merkt man auf längeren Touren das Gewicht deutlich mehr und bekommt auch sehr schnell Schmerzen. Ich selbst bin gerne schmerzfrei und kann mich deshalb nur für den Rucksack aussprechen, sofern natürlich viel Ausrüstung mitmuss. Für einen kurzen Ausflug ist natürlich nichts zu sagen gegen Schultertaschen oder ähnliches.
Stativhalterung:
Da ich sehr oft mit meinem Stativ unterwegs bin und das nicht gerade ein Leichtgewicht ist, freue ich mich über das gute System des Lowepro Rucksacks. Am Unteren Ende des Rucksacks gibt es eine ausziehbare Tasche, in der die Füße untergebracht werden können. In meinem Fall nur zwei, da das Stativ doch recht groß ist.
Ungefähr in der Mitte des Rucksacks gibt es dann eine Clipverschluss-Halterung, die um das Stativ angebracht werden kann. Somit bleibt es immer fest am Rucksack und fliegt nicht heraus.
Für etwas zu lang geratene Stative lässt sich als zusätzliche Halterung noch die Jackenhalterung am oberen Teil des Rucksacks missbrauchen. Einfach ebenso wie die mittlere Clipverschluss-Halterung um das Stativ anbringen. Dadurch kann zwar keine Jacke mehr festgemacht werden, die kann man sich aber auch um die Hüfte binden im Notfall.
Mein Fazit:
Ich bin voll und ganz zufrieden mit dem Lowepro Flipside 400 AW. Wer gleiche oder ähnliche Anforderungen an seine Fototasche stellt wie ich, dem kann ich den Rucksack uneingeschränkt empfehlen. Nach meinem zweimonatigen Praxistest, bin ich nun überzeugt von Fotorucksäcken. Es gibt zwar ein paar Kleinigkeiten, die noch verbessert werden könnten, aber im Moment kann ich gut mit diesen leben.
Mein Name ist Bernd und ich bin leidenschaftlicher Hobby-Fotograf. In den 342 Artikeln meines Blogs dreht sich alles um Fotografie, Apple und Design. Wenn dir mein Blog gefällt, abonniere doch meinen 


13.04.2010 um 17:45
Hallo Bernd,
ich habe den Flipside 250, leider ist er mir jetzt mit dem 80-200er Zoom zu klein geworden wodurch ich diese verkaufen und mir einen richtigen Fotorucksack suchen muss. Jetzt beginnt wieder die Qual der Wahl.
13.04.2010 um 21:11
@Hannes: Ich kann verstehen was du meinst! Ich habe auch länger gesucht und ein paar ausprobiert. Letztendlich standen dann der Flipside 400 AW oder der Kata 3N1-30 zur Auswahl, wobei es natürlich auch noch weitere gibt. Die Wahl ging wie oben beschrieben an den 400 AW. Ich wünsch dir auf jedenfall viel Glück bei der Suche! Würde mich interessieren, was für eines es wird!